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Die Jurte und ihre Bewohner

Die Jurte - englisch "Ger" genannt, ist die typische Behausung der mongolischen Nomaden. Sie besteht aus Scherengitter, das sich für den Transport einfach zusammenfalten lässt. Das Holzgerüst wird mit Filzmatten abgedeckt, je kälter es wird, desto mehr Filzschichten werden montiert. Als Aussenhülle dient meistens ein Tuch aus Leine, wie man es auch bei herkömmlichen Zelten verwendet.

Jurten findet man in der Mongolei überall. Sogar in der Hauptstadt Ulan Bator gibt es ganze Quartiere, die aus diesen mobilen Behausungen bestehen, die sogar auf dem Stadtplan eingezeichnet sind. Sie lassen sich im Winter besser beheizen als schlecht isolierte Häuser.

Wenn man eine Jurte betritt, gilt es, einige wichtige Regeln zu beachten, um die darin lebenden Nomaden nicht zu verärgern. Das wichtigste ist, beim Eintreten nicht auf die Schwelle zu treten, denn dies wäre ein Zeichen, dass man Unheil über die Familie bringt. Zu seinem eigenen Schutz sollte man daran denken, dass die Jurtentüren sehr niedrig sind und darauf achten, nicht den Kopf anzustossen.

Normalerweise weist einem die Familie einen Platz zu, der sich für Besucher immer auf der linken Seite der Jurte befindet. Die angebotenen Speisen und Getränke sollte man mindestens versuchen. Wenn man nicht alles isst oder trinkt, ist das weniger schlimm, im Gegenteil, lässt man etwas übrig, zeigt dies der Familie, dass sie einem mehr anbieten konnte, als man selber verzehren kann.

Sehr wichtig ist auch, dass der Ofen in der Jurte heilig ist und man auf keinen Fall irgendwelchen Abfall in das Feuer werfen darf. Auch sollte man seine Füsse nicht gegen den Ofen hin ausstrecken.

Interessanterweise sind die Nomaden und überhaupt die Mongolen extrem gastfreundlich. Eine höfliche Anfrage um Einlass in ihr bescheidenes Heim wehren sie eigentlich nie ab, es sei denn, sie haben schon viel Besuch und keinen Platz mehr zum Übernachten frei.

Wir haben es noch nie zuvor auf einer Reise erlebt, dass man einfach an eine beliebige Türe klopfen kann um zu fragen, ob man hier entweder von der Familie etwas zu essen bekommt oder ob man sein eigenes Essen einnehmen darf. Auch schon haben wir einfach um Schutz vor dem Sandsturm gefragt und eine Schüssel Pferdefleisch bekommen.

Oder man wählt irgendeine Jurte oder ein Haus aus und fragt, ob man dort schlafen darf. Für's Übernachten gibt man der Familie ein kleines Entgelt. Gerne werden auch Süssigkeiten für die Kinder oder sonstige kleine Geschenke, die nicht allzu viel kosten sollten, werden gerne entgegengenommen. Eine gute Idee sind zum Beispiel auch kleine Bilderbüchlein für die Kinder oder überhaupt ein paar Bilder über seine Heimat oder seine Familie. Auch gut erhaltene Kinderkleider sind sicher ein willkommenes Mitbringsel.

Noch ein Wort zu den Toiletten. Respektive dazu, wo man sein Geschäft verrichten kann. Südlich von Ulan Bator gibt es meistens weder Büsche noch grössere Steine, geschweige denn Bäume oder ähnliches, hinter welche man sich zurückziehen könnte. Man kann 40 Kilometer weit sehen und es macht keinen Sinn, sich irgendwo „verstecken“ zu wollen. Die Einheimischen laufen einfach ein paar Meter von der Jurte oder vom Auto weg, drehen sich in die richtige Position zum Wind, damit das „Geschäft“ nicht in die Hose geht, und verrichten es so in der Öffentlichkeit. Allfälliges Toilettenpapier sollte man am besten in einen kleinen Plastiksack packen und bei der nächsten Gelegenheit an einer Müllhalde entsorgen, um nicht das ganze Land damit zu verschmutzen. Am praktischsten ist es natürlich, wenn es bereits dunkel ist und man sich nur ausserhalb des Lichts von Taschenlampen oder Scheinwerfer zurückziehen kann. Für Frauen eine gute Idee wären auch lange Mäntel oder Röcke, um das Allerwerteste dennoch ein wenig verbergen zu können. Die Nomaden tragen sogenannte Dells, äusserst warme lange Mäntel, unter denen sich alles verstecken lässt und die sie auch vor Wind und Wetter schützen.


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© 2005 by Trans-Sib.ch Autor: Nicole Baumann